Wer Google nicht fürchtet, achtet SEO nicht! Anonym

Gute Argumente werden an den Likes erkannt

Erstellt am: 10. September 2011 | Author: Pierre | Kategorie: Web 2.0 | Tags: , , , , | 2 Kommentare »

Webmaster Friday fragt: „Zerstört Social-Media die Blog-Kommentar-Kultur?“ und wie so oft antwortet der LinkbuildingBlog – diesmal aber unentschieden: „Ja und Nein“. Denn die Frage vom Webmaster ist viel tiefgreifender, als auf den ersten Blick angenommen werden kann. Umformuliert lautet sie wie folgt: „Sind wir von Natur aus schlecht im diskutieren oder hat uns die Social Media zu dem gemacht, was beklagt wird?“. Noch weiter gerafft lautet die Frage: „Ist Social Media schlecht oder sind wir es?“

Ich möchte mit einem kleinen Gedicht beginnen:

Gedicht ist am Ende des Textes auch in Textform erhältlich.

Eine Blogkultur

Webmaster Friday fragt: „Zerstört Social-Media die Blog-Kommentar-Kultur?“. Bevor wir diese Frage klären, sollte erst mal geklärt werden, wie die Blog-Kommentar-Kultur überhaupt aussieht.

Die Kommentare in Blogs befinden sich immer unter dem Artikel und beziehen sich auf den Artikel. Der Autor des Kommentars taucht zumeist nur mit einem Nickname auf, kann aber auch mit seinem Klarnamen auftreten. Daneben kann es noch ein Profilbild geben auf dem er abgebildet ist. Zusätzlich kann er noch einen Link zu einer Website unterbringen. Weitere Informationen gibt es über ihn nicht. Was dann zählt ist sein Kommentar. Als größter Vorteil gegenüber sozialen Netzen haben die meisten Blogs Verschatelungsfunktionen für Kommentare, die für eine bessere Orientierung sorgen.

Das Problem, warum Social Media Angebote uns anders diskutieren lassen, hat zwei Seiten:

Eine Entscheidung treffen

Sehen wir die technischen Probleme bei Social Media Angeboten, so müssen wir feststellen, dass bei jedem großen Angebot eine Verschatelungsfunktion der Kommentare fehlt. Ein weiteres Problem stellt der Ort der Diskussion dar, der sich Dank Social Media vom Artikel entfernt und auf eben jenen Social Media Plattformen zu finden ist. Hier lässt sich schon eine Richtung erkennen: Wir diskutieren anders, weil die technischen Möglichkeiten anders sind. Es liegt demnach nicht an uns, sondern an der Gestaltung der Diskussionsumgebung.

Ein besonders wichtiger Fakt, ist die Veränderung der Diskussionsumgebung. Während Blogkommentare direkt unter den Blogbeitrag kommen, landen Facebook Kommentare auf Facebook. Zwar gibt es technische Möglichkeiten die Facebook Kommentare einzubinden, allerdings müssten dann alle Diskussionsteilnehmer genau das eingebundene Fenster nutzen. Auf Google+ wurde dies anders geregelt. Kommentare kommen sofort unter den Beitrag.

Betrachten wir die sozialen Veränderungen, so ist ganz klar festzustellen, dass Menschen anders diskutieren, wenn sie mit Klarnamen, Profilbild und Profil auftreten. Auf diese Weise wird das Geschriebene mit dem Gesagten verbunden und andere Diskussionsteilnehmer erhalten die Möglichkeit nicht nur das Argument zu betrachten, sondern auch den Hintergrund des Diskussionsteilnehmers, wodurch das Gewicht seines Argumentes geschwächt werden kann. Es scheint, als ob es doch an uns liegt, da wir doch die Technik benutzen.

Weiterhin lässt sich ein Trend feststellen oder zumindest postuliere ich ihn: Auf Blogs und Foren geht es um die Wahrheit, um Rechthaberei. Es geht darum, dass jemand mit einer bestimmten Aussage Recht hat und, dass er Argumente liefert, um andere von seiner Meinung zu überzeugen. Auf Facebook ist anders. Zwar kann es um die Wahrheit gehen, doch durch die Likes steht die Aufmerksamkeit für eine bestimmte Person im Vordergrund. Es geht demnach um möglichst kreative Kommentare, die viel Aufmerksamkeit auf den Urheber lenken.

Wer die Diskussionen und das Kommentieren in sozialen Netzwerken beobachtet, stellt schnell fest, dass es entweder Gruppengespräche gibt, wobei alle wild durcheinander „reden“ oder das es Dialoge gibt. In Blogs ist das nicht anders, doch es gibt noch eine weitere Kommunikationsform, die durch eben jene Verschatelungsfunktion hervorgerufen wird: Diskussionen mit mehreren Teilnehmern und mehrere Diskussionen. In sozialen Netzen wäre dies eine unübersichtliche Liste an Kommentaren.

Die Technik oder ich

Die Technik hat ihren Einfluss auf mein Diskussionsverhalten. Allerdings liegt es auch an mir wie ich diskutiere und ob ich mich dazu verführen lasse, bestimmte lustige Kommentare mit der Absicht auf Likes zu schreiben. Durch den Wunsch Feedback zu erhalten (oder reicht schon die Möglichkeit?), wird anders diskutiert. Zu sagen, dass Social Media die Kommentarkultur zerstört, ist zu stärk. Social Media verändert diese Kultur durch externe Motivatoren wie Likes. Blogbetreiber müssen sich entscheiden, ob sie Kommentare im Facebook Fenster wünschen oder ob ihre Nutzer ihnen auch so aktiv genug sind. Es gibt ja Angebote wo es ohne Facebook funktioniert, so zum Beispiel Spiegel und Zeit.

Kommentarkultur und SEO

Aus SEO bzw. Suchmaschinenoptimierungssicht kann ich nur empfehlen Kommentare auf dem Blog selbst zuhosten. Dies liegt daran, dass Blogs nachhaltiger arbeiten. Facebook bringt nämlich das große Problem mit, dass nach zwei Wochen alles im Archiv landet. Auf Blogs ist hingegen nach zwei Wochen noch alles indexierbar wie am Tag der Erstellung. Weiterhin ist es natürlich immer sinnvoll Kommentare, Beiträge auf eigenen Servern zu hosten und sich so unabhängig von Facebook zu machen – was würde denn passieren, wenn der Social Media Riese (oder irgendein anderer) den Account löscht?

—-

Kommentare auf Facebook

Auf Facebook zu kommentieren,
ist meist ein impulsives reagieren,
auf Dinge, die andere posten,
mit Gedanken, die viele selbst nur hosten.

Ohne vorher zu denken,
beginnen viele ihre Gedanken zu verschenken,
und wollen sich meist nur inszenieren,
und nicht von der Diskussion profitieren.

Profilierung wird der falsche Schluss genannt,
mit dem die Nutzer werden verkannt.
Doch es liegt nicht an ihnen,
es ist Facebook, dass will nicht dienen.

Die Nutzer lassen sich quälen,
verschachtelte Kommentare fehlen.
Wer Bezüge erkennt,
muss aufpassen, dass er sich nicht verrennt.

Wer einmal schreibt ein Argument,
gibt sowieso gleich sein letztes Hemd.
Verbunden mit der eigenen Person,
wird die Wahrheit nicht zum Lohn.

Hier liegt begraben, was Facebook von Blogs hat unterschieden,
es ist die Wahrheit, die wird gemieden.
Denn das eigentliche Ziel, ist Aufmerksamkeit für die eigene Person,
als Anerkennung, als Weltenlohn.


2 Kommentare zu “Gute Argumente werden an den Likes erkannt”

  1. 1 Martin sagte zu 21:27 am 10. September 2011:

    Sehr schönes Gedicht!
    Ich finde besonders den Punkt interessant, dass Blogs nachhaltiger arbeiten als Facebook. Bei Facebook sind die Kommentare und der Artikel wirklich einfach in kürzester Zeit mit sinnlosen neuen Meldungen (X mag Y, X ist jetzt mit Z befreundet – aha..) weggeschwemmt. Die Motivation Kommentare zu schreiben ist da doch wirklich gering, wenn es eh nur für den einen Moment da ist.
    Was ich hier schreibe, wird auch noch in Monaten zu sehen sein.
    Wenn ich das hier bei Facebook schreiben würde, würden es nur einmal die beteiligten Leute lesen und in drei Monaten ist alles vergessen und verschwunden.

  2. 2 Pierre sagte zu 05:29 am 10. September 2011:

    Richtig, Blogs arbeiten nachhaltiger und die Informationen sind für alle potentiell zugänglich. Bei Facebook sind deine Infos nur für einen bestimmten Kreis. :)

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